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30.08.2017 12:00
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Peter Varga: Die wachsende Verschuldung und die „Kreativität“ bei den ­Finanzierungs­methoden ­bleiben die Achillesferse der Wirtschaft

Zum Fonds des Monats Juli/August wurde der Erste Bond Emerging Markets Corporate gekürt. Fondsmanager Peter Varga informiert im Interview über die besten Schwellenländermärkte und die Vorteile von Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets (EM).

Peter Varga
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BÖRSE EXPRESS: Die Schwellenländer feiern seit einigen Monaten ein Comeback und das trotzdem die USA ihre Zinsschraube anziehen. Dies hat in der Vergangenheit zu Problemen in den Schwellenländern geführt: Wieso ist das heute anders?

PETER VARGA: Das Wachstum der wirtschaftlichen Aktivität hat auf globaler Ebene deutlich zugenommen und ist breit abgestützt. Nach unserer vorläufigen Schätzung beträgt das globale Wachstum des Bruttoinlandsproduktes vom ersten auf das zweite Quartal 3,7 Prozent (auf das Jahr hochgerechnet). Während die entwickelten Volkswirtschaften voraussichtlich mit 2,7 Prozent gewachsen sind, verzeichneten die Schwellenländer einen Zuwachs von 5,2 Prozent. Die Leitzinsanhebungen in den USA erfolgen, oder besser gesagt erfolgten, ausgehend von einem historischen Zinstief. Sie sind jetzt auch nicht wirklich hoch. Die Zentralbanken werden weiterhin sehr vorsichtig vorgehen. Dabei werden die Marktteilnehmer mittels Reden von Zentralbankmitgliedern auf marginale Änderungen vorbereitet (Forward Guidance). Selbst bei einem etwas höheren Zinsniveau können die Rendite-Erwartungen vieler Investoren nicht erfüllt werden. Daher bleiben die Schwellenländer vom guten Wachstum unterstützt.

BÖRSE EXPRESS: Welche Länder der Emerging Markets bieten Ihrer Meinung nach die größten Chancen, welche bergen die größten Risiken?

PETER VARGA: Das Niveau des Wachstums ist in China mit 6,8 und in Indien mit 7,2 Prozent hoch. Die beiden wichtigen rohstoffproduzierenden Länder Brasilien (0,7 Prozent) und Russland (1,7 Prozent) weisen zwar vergleichsweise niedrige Zuwächse auf, bemerkenswert ist jedoch, dass beide Länder die Rezession überwunden haben. Auf der negativen Seite stechen vor allem Südafrika (0,5 Prozent) und Saudi Arabien (0,4 Prozent) mit einer Stagnation hervor.

Risiken können nicht ausgeklammert werden: Der Internationale Währungsfonds hat in einem kürzlich veröffentlichten Bericht vor einer Fortsetzung des kräftigen Kreditwachstums in China gewarnt. Der Kreditbestand (Staat, Unternehmen und Haushalte) betrug im vergangenen Jahr 242 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt und könnte bis 2022 auf knapp 300 Prozent ansteigen. Sollte eine „harte“ Landung in China kommen, wäre das ein strukturelles Risiko für die Weltwirtschaft.

Man muss aber auch die politischen Risiken im Auge behalten, wie z.B. in der Türkei oder aktuell in Venezuela oder etwa in Südafrika.

BÖRSE EXPRESS: Wie sehen Sie die Zukunft Chinas im Besonderen?

PETER VARGA: Für die Entwicklung der Weltwirtschaft spielt China eine wesentliche Rolle. Wachstumsraten von über 20 Prozent im Jahresabstand waren aber nicht nachhaltig erzielbar. Der Trend geht in Richtung einer graduellen Verlangsamung des Wirtschaftswachstums. Diese Tendenz wird von einer strukturellen Umstellung der Volkswirtschaft begleitet. der Konsum und die Dienstleistungen sollen die neuen Wachstumstreiber werden. Es werden auch defizitäre Kapazitäten geschlossen (wie im Bereich Stahl), was die Profitabilität der übrig bleibenden Unternehmen verbessert, die Weltmarktpreise nach oben treibt und nicht zuletzt die Umweltverschmutzung reduziert. Generell werden die Wirtschaftszyklen weiterhin von einer klassischen „Stop-and-Go Politik“ geprägt. Auf eine Phase stimulierender Wirtschaftspolitik folgen restriktive Maßnahmen. Die wachsende Verschuldung und die „Kreativität“ bei den Finanzierungsmethoden bleiben aber die Achillesferse der Wirtschaft.

BÖRSE EXPRESS: Wie hat sich der Markt für Unternehmensanleihen der Schwellenländer in den letzten Jahren verändert?

PETER VARGA: Seit wir vor 10 Jahren den Fonds gestartet haben, ist das Universum für Unternehmensanleihen aus Schwellenländern spürbar gereift. Während wir damals weltweit einer der ersten Asset-Manager in dieser Anlageklasse waren, hat sich der Markt in den vergangenen Jahren verfünffacht. Mit einem Volumen von 1,7 Billionen US-Dollar ist der Markt für Schwellenländer-Unternehmensanleihen heute fast so groß wie der für US-Hochzinsanleihen. Die lokalen (aus den Schwellenländern kommenden) Investoren wie Pensionfonds oder Versicherungen spielen eine immer wachsende Rolle und sorgen als „natürliche Käufer“ der Papiere für mehr Stabilität in den Schwächephasen.

BÖRSE EXPRESS: Welche Vorteile gegenüber anderen Assetklassen bieten Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets derzeit den Investoren?

PETER VARGA: Besonders für Anleger mit einem längerfristigem Anlagehorizont und einer entsprechenden Risikobereitschaft sind Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets eine attraktive Anlageklasse. Unternehmen der Schwellenländer weisen eine deutlich geringere Verschuldung auf und bergen daher ein geringeres Bankrottrisiko in sich als Unternehmen aus entwickelten Ländern. Das durchschnittliche Kreditrating liegt im Bereich BBB- bis BB+, also an der Schwelle zum Hochzins-Segment. Allerdings entspricht die Verschuldung aller Schwellenländerunternehmen gerade einmal rund der Hälfte der Schuldenlast von US-Hochzins-Emittenten. Die längerfristige Rendite beträgt in dem Segment 5 bis 6 Prozent, in US-Dollar gerechnet. Selbst bei steigenden Renditen sind die Risikoaufschläge hoch genug um negative Effekte abzufedern.

BÖRSE EXPRESS: Wie ist es heute um die Liquidität der Emerging Markets Anleihen bestellt, im Vergleich zu Anleihen aus Industriestaaten?

PETER VARGA: Wie beschrieben, ist der Markt viel liquider und reifer. Unvorhersehbare positive oder negative Nachrichten können aber natürlich auch hier (wie bei den Unternehmensanleihen aus den entwickelten Ländern) für Phasen mit reduzierter Liquidität sorgen. Diese dauern aber nur für eine kurze Zeit an, bis der Markt diese Nachrichten evaluiert hat. Insgesamt kann man die Aussage treffen, dass sich Unternehmensanleihen mittlerweile als eigene Anklageklasse etabliert haben und fixe Bestandteile in der Aufteilung der Anlagevolumina auf die verschiedenen Anlageklassen sind. <

Mehr zum Fonds des Monats siehe related stories.

 
cg
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