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09.05.2017 13:11
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Bisher gab es das am Markt nicht

Ein Call-Optionsschein auf den europäischen 10-Jahres-Zinssatz der Societe Generale wird zum Zertifikat des Monats gewählt. Wir fragen nach bei Stefano Angioni, Director Cross Asset Distribution.

Stefano Angioni
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BÖRSE EXPRESS: Spekulativere Produkte haben bei der Wahl zum Zertifikat des Monats traditionell eher das Nachsehen gegen sogenannte Anlageprodukte. Außer, dass das auch mit den Marktvolumina in Österreich korreliert - haben Sie eine Erklärung dafür?

STEFANO ANGIONI: Hebelprodukte werden meist für einen kürzeren Anlagehorizont eingesetzt. Das führt natürlich auch dazu, dass man sich mit einzelnen Produkten aus diesem Bereich nicht so lange auseinandersetzt. Ich denke, dass daher seltener konkrete Produkte erinnert und folglich dann bei der Wahl zum Zertifikat des Monats ausgewählt werden. Zudem ist aufgrund der höheren Anzahl von WKNs und der in der Regel geringeren Volumina das „Involvement“ meist geringer, als bei Anlageprodukten. Das mag die Wahl ebenfalls beeinflussen. Die genannte Korrelation zum Marktanteil ist aber sicher ein weiteres wichtiges Argument.

BÖRSE EXPRESS: Und was macht Ihr Siegerprodukt nun aus Ihrer Sicht zur Ausnahme von der Regel?

STEFANO ANGIONI: Das Produkt zeichnet sich dadurch aus, dass es im Prinzip eine der wichtigsten globalen „Anlageklassen“ als Basiswert investierbar macht – und zwar die der Zinsen bzw. Zinsveränderungen. Das ist bisher ein weitgehend schwarzer Fleck im Produktangebot der meisten Emittenten gewesen, obwohl Zinsänderungen für Sparer und Privatanleger eine sehr hohe Bedeutung haben. Wir haben eine echte Innovation geschaffen und erstmals das Thema Zinsen über Optionsscheine transparent darstellbar gemacht. Zum anderen haben wir auch einen neuen Basiswert eingeführt. Mit diesem können Anleger nicht nur mögliche zukünftige Zinssteigerungen absichern, sondern auch direkt und chancenorientiert an diesen Veränderungen partizipieren.

BÖRSE EXPRESS: Die Basis des Produkts ist der 10-Jahres-CMS-Swapsatz (EUR) EURIBOR ICE. Was ist das eigentlich genau, wer legt diesen fest - Stichwort Euribor-Manipulation - und gibt es von Seiten Ihres Instituts eine Prognose zur weiteren Entwicklung, am besten per 21.12.2018 - dem Laufzeitende des Calls ;-)

STEFANO ANGIONI: Der CMS ist ein sogenannter Zinsswap, bei dem eine Partei in regelmäßigen Abständen einen Kapitalmarktzinssatz, z.B. für 10-jährige Anlagen zahlt und dabei im Gegenzug einen variablen Geldmarktzinssatz, also den aktuellen 6-Monats-EURIBOR erhält. Der fixierte Zinssatz des CMS ist dabei der Zinssatz für den fixen langfristigen Zinssatz, in diesem Fall für 10-jährige Anlagen. Der 10-Jahres-CMS-Swapssatz (EUR) EURIBOR ICE ist ein Marktstandard. Er bezieht sich auf ein bekanntes und sehr liquides Finanzinstrument, das vor allem von Banken täglich in einem Volumen von mehreren hundert Milliarden Euro gehandelt wird. Die offizielle Berechnungsstelle ICE (Intercontinental Exchange), die zum Beispiel auch für die Berechnung der offiziellen Kurse von den Ölpreisen Brent und WTI zuständig ist, veröffentlicht als unabhängige Stelle täglich einen marktnahen 10-Jahres-CMS-Swapsatz. Somit ist es entsprechend resistent gegenüber Marktverzerrungen jeder Art. Es dient zudem als interne Zinsberechnungsgrundlage, etwa für ausgeliehene Kredite – so auch Hypothekendarlehen. Das wiederum prädestiniert den Basiswert für Absicherungsgeschäfte bei Darlehenszinsen.

BÖRSE EXPRESS: Call heißt ja, dass ich auf steigende Kurse setze. Zum Verständnis bitte ein kleines Rechenbeispiel. Nur angenommen der 10-Jahres-CMS-Swapsatz liegt zu Laufzeitende bei 1,0 Prozent. Wie würde meine Rendite dann aussehen, wie berechne ich das?

STEFANO ANGIONI: Wie bei jedem Optionsschein ist der Basiswert die relevante, aber nicht die einzige den Preis beeinflussende Komponente. Wenn wir nun allerdings von stabilen anderen Parametern und vom Preis zum Laufzeitende ausgehen, lautet die theoretische Rechnung wie folgt: Ein chancenorientierter Anleger rechnet mit einem steigenden 10-Jahres-CMS-Swapsatz. Bei einem aktuellen 10-Jahres-Swapsatz von rund 0,80 Prozent kauft er 1.000 Call-Optionsscheine auf den 10-Jahres-CMS-Satz mit dem Basispreis von 0,50 Prozent. Der aktuelle Kaufpreis für einen solchen Call-Optionsschein beträgt 0,50 Euro; insgesamt zahlt der Anleger also eine Optionsprämie von 1.000 x 0,50 Euro = 500 Euro. Wenn der 10-Jahres-Swapsatz nun auf 1,5 Prozent steigt, dann gewinnt der Call-Optionsschein wie folgt: Der Wert berechnet sich aus der Differenz zwischen der aktuellen Notierung (1,5%) und dem Basispreis (0,50 Prozent) und beträgt somit 1 Euro; abhängig von Restlaufzeit und Schwankungsbreite des Basiswerts kann er auch wesentlich höher liegen. Anleger verbuchen also einen Gewinn von 0,50 Euro x 1.000 = 500 Euro

BÖRSE EXPRESS: Klar, dass fallende Zinssätze für den Wert meines Calls nicht gut wären, was aber, wenn der Zinssatz ins Minus fallen würde?

STEFANO ANGIONI: Das kommt ganz auf den Basispreis des Optionsscheins an. Derzeit ist der niedrigste Basispreis in unserer Produktpalette ein Optionsschein mit einem Basispreis von 0 Prozent. Demzufolge gilt: fällt der Zins ins Minus, dann verfällt der Optionsschein wertlos. Das komplette eingesetzte Kapital geht verloren. Dies verdeutlicht, dass diese Produkte nur etwas für erfahrene Investoren sind, die sich dem Risiko bewusst sind.

BÖRSE EXPRESS: Sie nennen als Einsatzmöglichkeit des Optionsscheins - grob vereinfacht - in den Marketingunterlagen auch die Absicherungsmöglichkeit eines Kredits gegen steigende Zinsen. Wie könnte man da als Faustformel vorgehen?

STEFANO ANGIONI: Angenommen, ein Kreditnehmer plant, innerhalb der nächsten zwei Jahre ein endfälliges Darlehen in Höhe von 100.000 Euro mit einer zehnjährigen Laufzeit für den Kauf einer Immobilie aufzunehmen. Endfällig bedeutet, dass während der Kreditlaufzeit nur Zins-, aber keine Tilgungszahlungen geleistet werden. Aktuell könnte er einen Kredit zum Zinssatz von ca. einem Prozent abschließen. Da er steigende Zinsen für möglich hält, möchte er sich dagegen absichern. Im Beispiel wird davon ausgegangen, dass sich der 10-Jahres-CMS Swapsatz (EUR) EURIBOR ICE und der Kreditzins annähernd linear bewegen. Bei einem aktuellen CMS-Satz von rund 0,80 Prozent liegt die Prämie für einen knapp zweijährigen Call-Optionsschein auf den 10-Jahres-CMS-Satz mit einem Basispreis bei 1,00 Prozent bei ca. 0,50 Euro. Bei einem abzusichernden Kreditbetrag von 100.000 Euro benötigt der Anleger also 1.000 Call-Optionsscheine (=100.000/100 aufgrund des Berechnungsfaktors von 100 Euro je Optionsschein). Damit wäre das Zinsrisiko, das aus dem Anstieg des Kreditzinses resultieren könnte, für ein Jahr der Kreditlaufzeit abgesichert. Möchte ein Anleger nun das Zinsrisiko für die gesamte Zinsfestschreibungsdauer des endfälligen Darlehens von 10 Jahren absichern, benötigt er die zehnfache Menge, das heißt 10.000 Call-Optionsscheine à 0,50 Euro. Das entspricht einer „Versicherungsprämie“ von 6.000 Euro.

BÖRSE EXPRESS: Warum haben Sie sich eigentlich für die Produktvariante Call in der Emission entschieden? Es hätte ja auch ein Zertifikat auf den 10-Jahres-CMS-Swapsatz-Future getan, etwa als Turbo…

STEFANO ANGIONI: Wir wollten explizit die Möglichkeit schaffen, via Optionsscheinen am Basiswert „Zinsen“ zu partizipieren. Bisher gab es dies am Markt nicht. Sowohl Turbo-Zertifikate als auch Optionsscheine haben in bestimmten Szenarien ihre Stärken. Wir bieten bereits seit Längerem die Möglichkeit über Turbos an Zinsänderungen zu partizipieren. Aber zu einer umfänglichen Produktpalette an Anlagelösungen gehören eben auch Optionsscheine auf Zinsen. Der Vorteil ist, dass sich Optionsscheine gerade bei längeren Absicherungszeiträumen gut eignen, da sie während der Laufzeit nicht ausgeknockt werden können.

BÖRSE EXPRESS: Gibt es auch auf rechtlicher Seite einen Unterschied? Zertifikate sind Schuldverschreibungen - was sind eigentlich nackte Optionsscheine?

STEFANO ANGIONI: Alle Derivate, also Zertifikate und Optionsscheine, sind rechtlich gesehen in der Regel Inhaberschuldverschreibungen mit speziellen Auszahlungsprofilen. Die „traditionellen Optionsscheine“ waren Bestandteile einer von einem bestimmten Unternehmen emittierten Optionsanleihe und standen in der Regel mit einem Finanzierungsvorhaben des zugrundeliegenden Unternehmens in Verbindung. Die heutigen, für Privatanleger emittierten Optionsscheine sind im Prinzip immer nackte Optionsscheine und heißen so, weil sie losgelöst von einer Optionsanleihe emittiert werden können. Mit dieser Form kann Anlegern ein breiteres Universum an zugrundeliegenden Basiswerten angeboten werden. So eben auch der Basiswert „Zinsen“.

 
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