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29.03.2017 00:00
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„Rohstoffe stehen am Beginn einer Erholung“

Sind Rohstoffe als Assetklasse wieder en vogue? Shawn Reynolds, Commodity-Spezialist beim Investmenthaus Van Eck gibt sich optimistisch und erläutert außerdem Details zu Angebot und Nachfrage bei Öl und Gold.
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BÖRSE EXPRESS: Haben die Rohstoffpreise das Tal der Tränen verlassen?

SHAWN REYNOLDS: Ja, ich denke schon. Rohstoffe sind zyklisch und Zyklen sind selbstverstärkend: Wenn die Preise hoch sind, wird mehr investiert und das Angebot steigt, wenn das Angebot steigt, drückt es auf die Preise, sie sinken und es wird weniger investiert. Letzteres geschah in den vergangenen Jahren. Im Minenbereich sind die Investitionen seit 2012 reduziert worden, bei Öl und Gas seit 2014. In den letzten beiden Jahren dramatisch, auf Niveaus, die ich in den letzten 30 Jahren nicht mehr gesehen habe. Rohstoffe stehen am Beginn einer Erholung - bei Öl und Gas, Kupfer, Nickel, Blei, Zink, Aluminium usw. Und es gibt keinen Zweifel, dass die zurückgeschraubten Investitionen einen Einfluß auf das Angebot haben werden.

BÖRSE EXPRESS: Eine Frage speziell zur US-Schieferölproduktion und ihren Einfluß auf die Angebotssituation: Teilen Sie die Ansicht mancher Analysten, dass sie in den nächsten zwei Jahren weiter stark zunehmen, sich vielleicht sogar verdoppeln kann?

SHAWN REYNOLDS: Dazu muss ich weiter ausholen. In den USA repräsentiert diese Industrie rund fünf Mio. Barrel pro Tag, ca. 95 Mio. Barrel pro Tag werden jährlich konventionell gefördert. In letzterem Bereich sind neue Funde von ehemals 160 Mrd. Barrel im Jahre 1947 auf fast Null zurückgegangen. Es wird also sehr schwierig, die laufende Produktion beizubehalten. Man schätzt, dass die konventionelle Förderung in den USA im Jahre 2018 um zwei Mio. Barrel pro Tag zurückgeht und das soll sich bis 2025 fortsetzen.

Hingegen wuchs die US-Schieferölförderung in ihren besten Jahren jährlich um eine Mio. Barrel pro Tag und das fünf Jahre lang. Da lag der Ölpreis im Schnitt bei 90 US-Dollar je Barrel. Also, ja, die US-Schieferölproduktion ist angestiegen und ja, sie wird weiter steigen. Aber ob sie zu ihren besten Jahren zurückkehren wird? Das ist eher unwahrscheinlich.

BÖRSE EXPRESS: Gibt es Schätzungen, welchen Ölpreis es braucht, um so einen Anstieg zu verwirklichen?

SHAWN REYNOLDS: Eine Beratungsfirma geht davon aus, dass sich bei 50 US-Dollar ein Rückgang ergibt, bei 60 US-Dollar wird die Produktion konstant bleiben, im Bereich zwischen 75 und 80 US-Dollar könnte es dann nahe an eine Verdoppelung heranreichen. Schließlich produziert bereits jetzt ein Drittel der US-Schieferölunternehmen über dem Breakeven-Preis.

BÖRSE EXPRESS: Hat US-Schieferöl für das Gesamtangebot eine große Bedeutung?

SHAWN REYNOLDS: Das ist eine gute Frage. Die Menschen kümmern sich vor allem um Schlagzeilen zum Anstieg der Schieferölproduktion. Was aber untergeht, sind die Meldungen über China und deren um 200.000 Barrel pro Tag fallende Produktion in 2016. Das ist viel für ein Land. Und auch andere Regionen wie Venezuela, Brasilien, Mexiko oder die Nordsee weisen sinkenden Output aus.

BÖRSE EXPRESS: Wie sieht es mit Russland aus?

SHAWN REYNOLDS: Das ist auch so ein Punkt. Jedermann spricht über deren Rekordniveau beim Output von zuletzt 11 Mio. Barrel pro Tag. Und darüber, dass sie über die letzten fünf Jahre ihre Förderung um 120.000 Barrel pro Tag pro Jahr erhöht haben. Das ist allerdings nichts im Vergleich zum jährlichen Nachfragewachstum weltweit von 1,5 Mio. Barrel pro Tag. Denn das sind nicht einmal 10 Prozent des Bedarfsanstiegs. Dasselbe gilt für Saudiarabien.

BÖRSE EXPRESS: Sie wollen also sagen, dass der Anstieg der weltweiten Ölproduktion zwischen 2008 und 2016 um 10 Mio. Barrel pro Tag zu 50 Prozent vom Zuwachs in der US-Schieferölindustrie herrührt. Und wieso ist die Produktion in allen anderen Regionen nur geringfügig gestiegen?

SHAWN REYNOLDS: Genau das ist die weitaus interessantere Frage. Weil dort die Investitionen von den Unternehmen stark zurückgefahren wurden. Wir sehen daher in den nächsten Jahren einen starken Engpass in der Ölindustrie.

BÖRSE EXPRESS: Der Engpass ergibt sich aufgrund einer weiter zunehmenden Nachfrage?

SHAWN REYNOLDS: Ja. Wir haben dazu vergangene Fünfjahresperioden überprüft. Immer war die Ölnachfrage am Ende stärker als am Anfang. Das gilt übrigens auch für andere Rohstoffe, insgesamt haben wir 14 Rohstoffe untersucht. Bei Öl zeigt sich seit 1995 ein jährlicher Nachfragezuwachs, außer in 2009, im Jahr der Finanzkrise. In den letzten fünf Jahren stieg der Ölkonsum jährlich um 1,5 Mio. Barrel pro Tag, was eine gute Basis für die Schätzung in den nächsten Jahren ist. Denn dieser Anstieg fand auch in Jahren eines schwachen Wirtschaftswachstums statt.

BÖRSE EXPRESS: Wie sieht die Internationale Energieagentur (IEA) das Szenario?

SHAWN REYNOLDS: Auf jeden Fall unterschätzt die IEA die weltweite Ölnachfrage regelmäßig. Betrachtet man die letzten fünf Jahre, so haben sie ihre Schätzung mehrmals im Jahr zwischen 0,5 und eine Mio. Barrel pro Tag nach oben revidiert, auch diejenigen für 2017 wurden bereits einige Male angehoben.

BÖRSE EXPRESS: Kommen wir zum letzten Thema: Kann man das positive Szenario für die Preise von Öl und Basismetallen auch für Gold übernehmen?

SHAWN REYNOLDS: Auf der Angebotsseite zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Goldangebotskurve inklusive der sich bereits im Bau befindlichen Minen und von Lagerstätten im Feasibility- und Prefeasibilty-Bereich ist flach bis abfallend, bis ins Jahr 2020 hinein. Eine Folge der auch dort zurückgefahrenen Investitionen.

BÖRSE EXPRESS: Haben die Goldproduzenten auch andere Maßnahmen durchgeführt?

SHAWN REYNOLDS: Ja. Wie in allen anderen Bergbauindustrien auch, wurden Restrukturierungsmaßnahmen eingeleitet. Die sogenannten All-in Sustaining Costs (AISC), die dauerhaften Gesamtförderkosten, sind von rund 1170 in 2012 auf derzeit ca. 900 US-Dollar je Unze gesunken und für 2018 könnten sie weiter auf 800 US-Dollar fallen. Viele große und mittlere Goldproduzenten generieren bereits bei einem Goldpreis von 1200 US-Dollar je Unze Free Cash Flow, aber der Hebel - bei einem Anstieg des Goldpreises um 100 US-Dollar - ist hoch. Viele Goldminen arbeiten derzeit hoch effizient, die Goldproduzenten sind also gut gerüstet.

BÖRSE EXPRESS: Die Nachfrage nach Gold wird allerdings von ganz anderen Faktoren bestimmt als die der anderen Rohstoffe. Gibt es solche, die für eine erhöhte Investmentnachfrage und einen steigenden Goldpreis sprechen?

SHAWN REYNOLDS: Die sind derzeit ziemlich ausbalanciert. Das reflationäre Umfeld, die politischen Unsicherheiten rund um Trumps protektionistische Politik plus Folgen sowie rund um die einzelnen Wahltermine in Europa und Brexit-Nachwirkungen sind sozusagen Angstfaktoren und stehen positiv zu Buche, Auf der anderen Seite wirken steigende Zinsen, eine robuster wachsende Wirtschaft und ein in Folge starker US-Dollar eher negativ. 

 
Christa Grünberg

be INVESTOR NR 33





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