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14.03.2017 12:29
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„Reflation ist inzwischen ein weltweites Thema“

Anna Stupnytska, Global Economist bei Fidelity International, nimmt Stellung - zu gängigen Themen wie Reflation, China und Trump aber auch zur weltweiten Wirtschaftsentwicklung und den Aussichten für Aktien, Industriemetalle, Öl und Gold.

Anna Stupnytska
© Fidelity / beigestellt
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BÖRSE EXPRESS: Das Thema Reflation oder Rückkehr der Inflation ist wieder in aller Munde. Wie denken Sie darüber?

ANNA STUPNYTSKA: Reflation ist inzwischen ein weltweites Thema. Über das Ausmaß denke ich allerdings anders als der Markt: Während nämlich die Gesamtinflation aufgrund der Energiepreise hoch ist, sollte sich die Kerninflation - also die Inflation ohne kurzfristig schwankende Preise wie die für Energie und Lebensmittel - eher niedrig halten. Der Inflationshöhepunkt wird außerdem viel langsamer erreicht als erwartet und das heißt, dass die Zentralbanken - vor allem die Fed - die Zinsen nicht aggressiv erhöhen werden. Und das sollte wiederum positiv für Aktien und die Emerging Markets (EM) sein, denn der US-Dollar wird sich gegenüber den meisten anderen Währungen abschwächen oder konstant bleiben.

BÖRSE EXPRESS: Also glauben Sie nicht an einen Zinsschritt der Fed bereits im März?

ANNA STUPNYTSKA: Naja. Ich prognostiziere zwar eine Zinserhöhung im Juni, aber die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Fed schon im März tätig werden könnte. Vor allem, wenn man sich manche Statements der Fed in den letzten beiden Wochen anhört. Vielleicht wollten sie aber auch nur sehen, wie der Markt auf diese Kommentare reagiert.

BÖRSE EXPRESS: Bereitet Ihnen das Thema Reflation Sorgen?

ANNA STUPNYTSKA: Ja und zwar der an den Märkten herrschende Optimismus hinsichtlich Reflation. Denn eine ihrer Haupttriebfedern, die von den Zentralbanken in die Märkte gepumpte Liquidität, wird es wohl nicht mehr geben. Im Gegenteil, die Fed wird die Zinsen erhöhen und die EZB wird ihr Anleihekaufprogramm im Laufe des Jahres weiter reduzieren. Ein anderer Grund für Wirtschaftswachstum und Reflation waren Chinas Konjunkturstimulierungsmaßnahmen, in der Folge stiegen auch die Rohstoffpreise. Aber auch die chinesische Notenbank hat begonnen, restriktiver zu sein um die Währung zu stützen und hat bereits einige Male in den letzten Wochen die Zinsen angehoben. In China könnte sich also das von der Politik gesteuerte Wachstum in den nächsten Monaten abkühlen.

BÖRSE EXPRESS: Und wie geht es mit dem global beschleunigten Wachstumstrend weiter?

ANNA STUPNYTSKA: Die Beschleunigung wird wahrscheinlich später in diesem Jahr ihren Höhepunkt erreichen. Einer der zentralen Faktoren dabei ist China. Das Risiko politischer Fehleinschätzungen dort ist groß. Aber auch ohne Fehler wird Chinas Wachstumstrend sich verlangsamen, zurück auf 6,5 Prozent oder darunter - mit Auswirkungen vor allem auf die EMs.

BÖRSE EXPRESS: Bei Chinas Bedeutung für die Rohstoffpreise, heißt das, die werden wieder sinken?

ANNA STUPNYTSKA: Nicht unbedingt. Denn die Rallye bei Industriemetallpreisen - vor allem seit der zweiten Hälfte des Vorjahres - wurde nur teilweise durch die chinesische Nachfrage entfacht. Wichtiger war die chinesische Angebotsseite. Dort wurden Kapazitäten zurückgefahren - in erster Linie im Kohle-, Stahl- und Aluminiumsektor. Und ich glaube, dahinter stehen ökologische Anliegen. Das war aber auch ein cleverer Schritt, denn gleichzeitig ist China jetzt auch besser auf protektionistische Maßnahmen von US-Präsident Trump, z.B. Strafzölle auf chinesische Stahlimporte, vorbereitet.

BÖRSE EXPRESS: Und der Ölpreis, wie viel Potenzial nach oben steckt da noch drinnen?

ANNA STUPNYTSKA: Meiner Ansicht nach wird er nicht mehr viel weiter steigen. Die Markterwartung liegt bei 60 bzw. 65 US-Dollar/Barrel, was angemessen erscheint. Ich tendiere eher zu 60 US-Dollar. Wir könnten aber auch Niveaus von 50 US-Dollar oder weniger testen. Das liegt teils an der sich in Grenzen haltenden Nachfrage und teils am steigenden Angebot. Letzteres ist immer wieder Thema bei Diskussionen mit meinen Kollegen.

BÖRSE EXPRESS: Wieso glauben Sie an ein wachsendes Angebot?

ANNA STUPNYTSKA: Weil das US-Schieferölthema unterschätzt wird. Zwar sind die Produzenten dort keine “swing producer” aber ihr Breakeven ist in den letzten zweieinhalb Jahren aufgrund des technischen Fortschritts von 70 auf 50 US-Dollar je Barrel gesunken. Es ist also möglich, dass sich der US-Schieferöl-Output in den nächsten zwei Jahren verdoppelt, was den Ölpreisanstieg bremsen dürfte.

BÖRSE EXPRESS: Wenn wir schon bei Rohstoffen sind, wie ist Ihre Meinung zu Gold?

ANNA STUPNYTSKA: Inflationsraten steigen, die globale Expansion dauert bereits mehr als sieben Jahre. Die Zyklen werden aber kürzer. Somit erhöht sich die Gefahr eines Bärenmarktes oder einer Korrektur bei Aktien. In so einem Umfeld ist Gold ein gutes Investment.

BÖRSE EXPRESS: Zurück zur Reflation. Ist das ein Thema für Europa?

ANNA STUPNYTSKA: Ja, auf moderatem Niveau: Die Gesamtinflation steigt aufgrund höherer Energiepreise, die Kerninflation zieht zwar an, ist aber noch gering. Dieser bessere Inflationsausblick ermöglicht es allerdings der EZB, den langsamen Ausstieg aus ihrem quantitativen Lockerungsprogramm anzukündigen, der dann - wenn alles gut geht - wahrscheinlich nächstes Jahr beginnen wird.

BÖRSE EXPRESS: Das klingt doch gut für europäische Aktien?

ANNA STUPNYTSKA: Ja. Allerdings birgt der in diesem Jahr volle politische Kalender viele Unabwägbarkeiten, wobei das größte Risiko von den französischen Präsidenschaftswahlen ausgeht. Haben sich aber dort erst einmal die Signale auf den Wahlsieg eines gemäßigten Kandidaten konkretisiert, sollte einer Rallye - bei allerdings steigender Volatilität - nichts mehr im Wege stehen. Europäische Aktien - mit Ausnahme von britischen Aktien - sind übrigens aufgrund der geringeren Bewertung ihrem US-Pendant vorzuziehen.

BÖRSE EXPRESS: Apropos US-Aktien. Wie schätzen Sie die Auswirkungen protektionistischer Maßnahmen von US-Präsident Trump ein?

ANNA STUPNYTSKA: Schwierig zu sagen, weil erstens noch keine Details bekannt sind und zweitens solche Maßnahmen, wie Zölle oder eine sogenannte “Border Adjusted Tax” die Abschätzung letztendlicher Folgen für Wirtschaft und Inflation noch komplizierter machen. Aber ich bin nicht nur deswegen skeptisch gegenüber US-Aktien sondern auch wegen ihrer hohen Bewertung und weil sich das beschleunigte US-Wirtschaftswachstum nicht mehr lange fortsetzen wird.

 
cg

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